Wild

Wie viel Wild trägt ein Lebensraum?
Diese Frage klingt einfach. Die Antwort ist es nicht.
Wildbestände werden häufig in Stück je 100 Hektar angegeben. Doch fünf Stück Rehwild stellen andere Anforderungen an einen Lebensraum als fünf Stück Rotwild. Auch Jahreszeit, Altersstruktur, Raumnutzung und Störungsintensität beeinflussen, welche Nahrungsmenge tatsächlich benötigt wird und wo Wildwirkungen entstehen.
Ebenso beweist einzelner Verbiss noch keine zu hohe Wilddichte. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Wildbestand, Lebensraumangebot, land- und forstwirtschaftlichen Zielen, natürlichen Prozessen und jagdlicher Nutzung.
Tragbare Wilddichte ist deshalb keine feste Zahl. Sie ist eine fachlich zu begründende Beziehung zwischen Wildtieren, Lebensraum und menschlichen Nutzungszielen.
Tragbare Wilddichte KI-gestützt nachvollziehbar beurteilen
Die Frage nach der tragbaren Wilddichte wird häufig auf Abschusszahlen, Streckenergebnisse oder pauschale Zielwerte reduziert. Solche Daten sind wichtig, bilden aber nur einen Teil des Systems ab.
Eine belastbare Beurteilung muss unter anderem berücksichtigen:
• vorkommende Wildarten und deren unterschiedliche Nahrungsansprüche,
• Wildgewicht und tatsächlichen Äsungsbedarf,
• jahreszeitlich verfügbares Äsungsangebot,
• Wald-, Feld-, Offenland- und Randstrukturen,
• land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftungsziele,
• natürliche und künstlich geschaffene Äsungsflächen,
• Störungen, Rückzugsräume und zeitliche Raumnutzung,
• Konkurrenz und Wechselwirkungen zwischen Wildarten,
• Klimaentwicklung und Veränderungen der Vegetation,
• Jagddruck und daraus resultierende Verhaltensänderungen.
Wildschäden einordnen
Wildschäden sind sichtbare Ergebnisse eines komplexen Geschehens. Verbiss, Schäle, Fegen, Trittschäden oder Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen nicht allein durch die absolute Zahl der Tiere.
Ihre räumliche Konzentration kann beispielsweise durch Deckung, Störung, Jagddruck, attraktive Nahrung, fehlende Alternativflächen oder ungünstig verteilte Ruhebereiche beeinflusst werden. Eine intensive Bejagung kann Schäden verringern – sie kann diese aber auch erhöhen oder verursachen.
Eine Lebensraumbewertung muss deshalb mehr leisten, als Schäden zu erfassen. Sie muss nach deren Ursachen fragen.
Jagdstrategien an Wirkung ausrichten
Eine Jagdstrategie beeinflusst nicht nur, wie viele Tiere erlegt werden, sondern auch, wann und wo Wildtiere aktiv sind, welche Bereiche sie nutzen und wie viel Zeit ihnen für eine ungestörte Nahrungsaufnahme bleibt.
Eine gute Jagdstrategie folgt keinem ideologischen Standardmodell. Sie muss zum Lebensraum, zu den vorkommenden Wildarten, zu den handelnden Menschen und zu den vereinbarten Zielen passen. Vor allem muss sie überprüfbar sein: Haben sich Wildschäden, Raumnutzung und Zielerreichung nach einer Maßnahme tatsächlich verändert?
Fachvorträge
Ich biete wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Fachvorträge insbesondere zu folgenden Themen an:
• Konzepte und Berechnung tragbarer Wilddichten,
• Möglichkeiten und Grenzen von Wildbestandsdaten,
• Wilddichte, Wildwirkung und Lebensraumkapazität,
• Entstehung und Bewertung von Wildschäden,
• Jagddruck und räumlich-zeitliches Verhalten von Wildtieren,
• Entwicklung zielorientierter Jagdstrategien,
• Waldumbau, Klimaveränderung und Schalenwildmanagement,
• Verbindung von Wildtierökologie, Jagdpraxis und Tierschutz.
Inhalt, Umfang und fachliche Tiefe werden an die jeweilige Zielgruppe angepasst – vom Hegering über Forst- und Landwirtschaftsbetriebe bis zu Verbänden, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen.
KI-gestützte Lebensraumgutachten
Lebensraumgutachten und gutachterliche Ausarbeitungen können – abhängig von Fragestellung und verfügbarer Datengrundlage – folgende Bestandteile umfassen:
• Beschreibung und räumliche Gliederung des Lebensraums,
• Auswertung vorhandener Strecken-, Bestands- und Schadensdaten,
• Erfassung von Vegetation, Äsungsangebot und Deckungsstrukturen,
• Einordnung land- und forstwirtschaftlicher Zielsetzungen,
• Bewertung von Wildwirkungen und Schadensschwerpunkten,
• Abschätzung tragbarer Wilddichten,
• Analyse der bisherigen Jagdstrategie,
• kartografische Darstellung relevanter Strukturen,
• Entwicklung begründeter und priorisierter Handlungsempfehlungen.
