KI

Wenn ich die menschliche Entwicklung und die Geschichte unserer Erfindungen betrachte, überrascht mich vor allem die Geschwindigkeit, die der technische Wandel inzwischen erreicht hat.

Vor rund 300.000 Jahren fertigten Menschen im heutigen Niedersachsen sorgfältig bearbeitete Jagdwaffen aus Holz. Die Schöninger Speere zeigen, wie aus einem zugespitzten Stock ein präzise ausbalanciertes Werkzeug wurde, mit dem Menschen gemeinsam und planvoll Beutetiere jagten.

Vor mindestens 15.000 Jahren hatte sich aus der Annäherung zwischen Menschen und Wölfen eine der ältesten Beziehungen zwischen Mensch und Tier entwickelt: der Hund wurde Jagdgefährte, Wächter, Arbeitspartner und schließlich Familienmitglied. Vor etwa 12.000 Jahren begannen Menschen, Wildgetreide gezielt anzubauen, Tiere zu halten und dauerhaft in Siedlungen zu leben. Aus mobilen Gruppen entstanden Dörfer, Landwirtschaft, Arbeitsteilung und schließlich komplexe Gesellschaften.

Am 17. Dezember 1903, gelang den Brüdern Wright der erste kontrollierte Motorflug. Er dauerte zwölf Sekunden und führte über gerade einmal 36 Meter. Nur 65 Jahre und sieben Monate und drei Tage später landeten Menschen auf dem Mond.

Seitdem scheint sich die Entwicklung noch einmal beschleunigt zu haben. In meiner eigenen Lebenszeit wurde das Internet von einer technischen Infrastruktur für wenige Fachleute zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags. Das World Wide Web entstand 1989; wenig später verband es Informationen, Menschen und Institutionen auf eine zuvor unvorstellbare Weise. Ich habe erlebt, wie aus dem Telefon ein Mobiltelefon und schließlich ein ständig verfügbarer Computer im Taschenformat wurde. Gleichzeitig wurden technische Lösungen sichtbar, die von der Natur lernten: Bionik veränderte Werkstoffe, Oberflächen, Konstruktionen, Medizin und Architektur.

Am 30. November 2022 stellte OpenAI ChatGPT öffentlich bereit. ChatGPT war weder die erste künstliche Intelligenz noch das erste leistungsfähige Sprachmodell. Es war jedoch das System, durch das generative künstliche Intelligenz für Millionen von Menschen unmittelbar zugänglich wurde – ohne Programmierkenntnisse und in einer scheinbar ganz gewöhnlichen Unterhaltung.

Damit veränderte sich nicht nur ein technisches Werkzeug. Es veränderte sich die Art, wie wir Informationen suchen, Texte verfassen, Daten auswerten, Ideen entwickeln, Entscheidungen vorbereiten und lernen. Tätigkeiten, die zuvor Fachwissen, Softwarekenntnisse oder erhebliche Zeit erforderten, können heute in wenigen Augenblicken unterstützt werden.

Wie der Speer, der Hund, die Landwirtschaft, das Flugzeug oder das Internet ist auch künstliche Intelligenz jedoch nicht von sich aus sinnvoll. Sie erweitert unsere Möglichkeiten, entscheidet aber nicht über deren Qualität. Sie kann Menschen beim Denken unterstützen – oder ihnen nur das Gefühl vermitteln, bereits gedacht zu haben. Sie kann Bildung zugänglicher machen, aber auch unsichtbare Barrieren erzeugen. Sie kann Arbeitsprozesse erleichtern, jedoch ebenso Fehler, Vorurteile und Intransparenz vervielfältigen.

Für Bildungseinrichtungen lautet die entscheidende Frage deshalb nicht mehr, ob künstliche Intelligenz genutzt werden wird. Die entscheidende Frage lautet: **Wie gestalten wir ihre Nutzung fachlich sinnvoll, didaktisch begründet, transparent und verantwortlich?**

Angebot

Schulen
• KI im Unterricht mit der Methode "Iterative AI-assisted Knowledge-Building by Revision" und medienpädagogischen Ansätze - auch für Digitalisierungsskeptiker.
• Kuratierte KIs in der Bildung.
• KI und Umweltbildung - (k)ein Widerspruch

Kammern und zuständige Stellen
• KI im Meisterkurs - von der Projektplanung zum Verfassen der Meisterarbeit hin zur Prüfungsvorbereitung.
• KI-Check: Gutachten über die illegitime und legitime Verwendung von Künstlicher Intelligenz in der Meisterarbeit.